Digitale Langzeitarchivierung

Unser Wunsch nach unendlich haltbaren Trägern und Formaten für unsere Archivbestände wird weder jetzt noch in absehbarer Zukunft in Erfüllung gehen. Für die Erhaltung unserer audiovisuellen Bestände bleibt daher nur das Konzept der "ewigen Migration". Das bedeutet, dass die Aufnahmen unendlich oft, von Träger zu Träger, von Format zu Format, migriert werden müssen, um sie zu erhalten.
Dies kann nur funktionieren, wenn diese Migrationen absolut verlustfrei durchgeführt werden können. Auch bei geringsten Verlusten während dieser Prozesse verlieren die Aufnahmen mit der Zahl der Migrationen immer mehr an Qualität. Bilder, Töne, Daten schwinden. Unsere Bestände gehen letztlich verloren.
Die Aufgabe der digitalen Langzeitarchivierung besteht darin, die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass dies nicht geschieht.

In den 20 Jahren meiner Tätigkeit an der Österreichischen Mediathek habe ich im Bereich Digitalisierung zusammen mit Peter Bubestinger ein System für die Verwaltung der Workflows bei der Videodigitalisierung entwickelt (DVA-Profession), das dort seit 2010 erfolgreich im Einsatz ist. Als weitere Innovation haben wir das hardware- und software- optimierte Storagesystem für Archivzwecke (DLP) konzipiert und umgesetzt.

Seit März 2017 biete ich mein Wissen und meine Erfahrung im Bereich der digitalen Langzeitarchivierung als freischaffender Berater an (Kontakt).

DVA-Profession

Im Jahre 2009 hatte ich im Rahmen eines Projektes, bei dem die Österreichische Mediathek unter anderem 1000 Videoaufnahmen ins Web stellen und als Voraussetzung auch digitalisieren sollte, die Gelegenheit, endlich mit der Digitalisierung von Video beginnen zu können. Ich began die technischen Möglichkeiten zu recherchieren. Damals war im internationalen Kreis der AV-Archive für die Archivierung von Video neben der unkomprimierten Option nur ein Format in aller Munde: MXF (Kontainer) mit Motion JPEG 2000 (Codec).

Das damals einzige, mir bekannte System, das einen Digitalisierungs-Workflow verwaltet (Metadaten, Prüfsumme, Analyse, Konfektionierung für das Archiv etc.) und ein solches Format geschrieben hat war "SAMMA".
Daher hatte ich den Kauf eines solchen Gerätes in die Kalkulation für das Projekt einbezogen.

Nachdem das Projekt tatsächlich bewilligt worden war, stießen mich detailliertere Tests mit originalen Dateien, die von dem Samma-Solo des Österreichischen Phonogrammarchivs stammten, auf die Erkenntnis, dass ich diese Dateien nur auf dem Ursprungsgerät wieder abspielen bzw. in andere Formate konvertieren konnte.

Dies ist für jeglichen Gedanken der Langzeitarchivierung ein "No Go".

Auf der Suche nach Alternativen erwies sich der Open Source Codec FFV1 als sinnvolle Lösung.
Da dieser Codec von keinem Digitalisierungssystem bedient wurde, entwickelten Peter Bubestinger und ich ein eigenes System mit dem Namen "DVA-Profession".
Ursprünglich als Testerin stieß Marion Jaks in das Team und bereicherte von da an das Konzept mit bodenständigen Vorschlägen für einfacher nachvollziehbare Bedienungsfunktionen.

DLP-Storage

Spätestens beim Archivieren von digitalen Videobeständen spielt die Frage der Speicherkosten eine existenzielle Rolle für das Budget eines Archivs.
Diese Kosten teilen sich auf in Hardwarekosten der physischen Speicher und Kosten für die Software, die die Daten verwaltet. Viele am Markt angebotene Lösungen sind nur im Paket beider Bereiche erhältlich.
Gleichzeitig wird die Datenverwaltung oft mit mengenabhängigen Lizenzen vertrieben.
Auch wird von den Anbietern vor allem der Marktsektor bedient, wo große Budgets zur Verfügung stehen (Banken, Versicherungen, Broadcaster). Hier stellt die Hochverfügbarkeit ein wichtiges Kriterium dar. Diese kostentreibende Eigenschaft ist für durchschnittliche audiovisuelle Archive weniger bedeutend. Ein temporärer Ausfall ist dort leichter zu verkraften. Wichtiger ist jede Maßnahme, die sicher stellt, dass die Daten nach einem Neustart wieder vollständig und unverändert zur Verfügung stehen.

Um die Kosten auf die für das Archiv wichtigen Eigenschaften zu reduzieren, entwickelten Peter Bubestinger und ich in Zusammenarbeit mit den Firmen Linforge, Anyfer und 45Drives die Konfiguration für eine kostengünstige und gleichzeitig stabile Hardwarelösung. Für die Verwaltung entwarfen wir ein Konzept, in dem alle uns bekannten Anforderungen an eine digitale Langzeitarchivierung - inclusive der Option einer Ablöse durch ein zukünftiges System - berücksichtigt wurden.

Die Kosten haben sich dadurch extrem reduziert. Vorher war es aus Budgetgründen nicht realistisch, an ein Petabyte auch nur zu denken.