{"id":685,"date":"2017-11-20T10:51:31","date_gmt":"2017-11-20T09:51:31","guid":{"rendered":"https:\/\/hermann.jodli.me\/?p=685"},"modified":"2018-05-09T20:01:28","modified_gmt":"2018-05-09T18:01:28","slug":"gefuehl-dobermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hermann.lewetz.at\/de\/gefuehl-dobermann\/","title":{"rendered":"2015, \u201eGef\u00fchl: Dobermann\u201c (Kamera, Schnitt)"},"content":{"rendered":"<p>Regie: Gabriele Mathes, AT 2015, DCP, Farbe, 16 min<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-689 alignleft\" src=\"https:\/\/hermann.jodli.me\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/dobermann_09-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/hermann.lewetz.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/dobermann_09-300x169.jpg 300w, https:\/\/hermann.lewetz.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/dobermann_09-768x432.jpg 768w, https:\/\/hermann.lewetz.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/dobermann_09-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/hermann.lewetz.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/dobermann_09-830x467.jpg 830w, https:\/\/hermann.lewetz.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/dobermann_09-230x129.jpg 230w, https:\/\/hermann.lewetz.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/dobermann_09-350x197.jpg 350w, https:\/\/hermann.lewetz.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/dobermann_09-480x270.jpg 480w, https:\/\/hermann.lewetz.at\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/dobermann_09.jpg 1900w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Eine Drehpause: Protagonist\/innen f\u00fchren Smalltalk, es spielen Kinder, ein Mops schnauft. Die Regisseurin brieft die Mutter zur anstehenden Szene, doch diese verweigert Fessel und Knebel. Sie verstehe den Zorn der Tochter nicht, klagt sie. Ob den der Filmfigur oder den der Verwandtschaft, bleibt unklar. Wie sich auch der weitere Handlungsverlauf der eindeutigen Unterscheidung von Spiel und Leben widersetzt. Vieles sei niemals richtig ausgesprochen worden, hei\u00dft es. Tats\u00e4chlich scheinen sich verdr\u00e4ngte Emotionen mit jedem Blick und jeder Geste in den Filmdreh zu \u00fcbersetzen; in eine Wohnungsenge, die in der Unbarmherzigkeit von Handkamera und Naturlicht zunehmend Beklemmung suggeriert. Ein subtil gebautes Kammerspiel \u00fcber (famili\u00e4re) Sprachlosigkeit, Kindheitstraumata und Sadismus.<\/p>\n<p>(Diagonale Text)<\/p>\n<p>Gef\u00fchl Dobermann ist ein Familienhorrorfilm auf d\u00fcnnem Eis: W\u00e4hrend Regisseurin Gabriele Mathes vor der Kamera eine Familie inszeniert, fragt man sich, wo die Inszenierung endet und die Wahrheit beginnt. Sind das wirklich ihre Geschwister, ihre Mutter, Nichte und Neffe? Sind die vor der Kamera geteilten Erinnerungen echt? Die Geschichte vom verhungerten Haustier, von plattem Fell und milchigen Augen \u2013 nur ein Drehbucheinfall?<\/p>\n<p>Szene 1, Wohnzimmer: W\u00e4hrend die Regisseurin letzte Rollendetails mit den Protagonisten bespricht, wird die Mutter im Hintergrund geschminkt. Sie soll eine alte Frau spielen, die die Tochter zu Hause pflegt. Aber die kann \u2013 laut Drehbuch \u2013 selbst nicht mehr und w\u00fcnscht der Hilfsbed\u00fcrftigen den Tod. Oder, dass sie wenigstens ins Heim kommt. &#8222;Ich will doch net ins Heim&#8220;, protestiert die Mutter. &#8222;Aber im Film ist es halt so&#8220;, sagt die Regisseurin streng.<\/p>\n<p>Szene 2: Im Vordergrund werfen die Kinder mit Lego, im Off h\u00f6rt man die alte Mutter schreien: &#8222;Au, auaua! I brauch a Hilfe!!&#8220; Die Tochter schneidet weiter unger\u00fchrt Haare, ihr Mann raucht: &#8222;Soll I eini gehen?&#8220; \u2013 &#8222;Na, lass\u00b4 a bissi schrein.&#8220;<\/p>\n<p>Es ist eine unausgesprochene \u00dcbereinkunft: Familien, Kinder, alte Menschen werden im Mainstreamkino geschont. Michael Hanekes Funny Games lie\u00df seine Gewalt gegen eine Familie bewusst in diese sichere Annahme hinein explodieren. Gabriele Mathes macht einen Seitenschritt. Zwar kommt in Gef\u00fchl Dobermann niemand k\u00f6rperlich zu Schaden. Aber allein das Gedankenspiel, wie es w\u00e4re, seinen Aggressionen freien Lauf zu lassen, die Mutter zu fesseln und zu knebeln, damit sie im Bett dr\u00fcben nicht pl\u00e4rrt, treibt den Beteiligten Wut und Schrecken ins Gesicht. Und die sind fraglos echt.<\/p>\n<p>(Maya McKechneay)<\/p>\n<p>Eine Drehpause: Protagonist\/innen f\u00fchren Smalltalk, es spielen Kinder, ein Mops schnauft. Die Regisseurin brieft die Mutter zur anstehenden Szene, doch diese verweigert Fessel und Knebel. Sie verstehe den Zorn der Tochter nicht, klagt sie. Ob den der Filmfigur oder den der Verwandtschaft, bleibt unklar. Wie sich auch der weitere Handlungsverlauf der eindeutigen Unterscheidung von Spiel und Leben widersetzt. Vieles sei niemals richtig ausgesprochen worden, hei\u00dft es. Tats\u00e4chlich scheinen sich verdr\u00e4ngte Emotionen mit jedem Blick und jeder Geste in den Filmdreh zu \u00fcbersetzen; in eine Wohnungsenge, die in der Unbarmherzigkeit von Handkamera und Naturlicht zunehmend Beklemmung suggeriert. Ein subtil gebautes Kammerspiel \u00fcber (famili\u00e4re) Sprachlosigkeit, Kindheitstraumata und Sadismus.<\/p>\n<p>(Sebastian H\u00f6glinger, Diagonale-Katalog)<\/p>\n<p>Meine Mutter weigerte sich. Sie will nicht gefesselt, geknebelt und erstickt werden. Auch nicht f\u00fcr diesen Film. In der Drehpause spielen Erna und Helmut ein Spiel, das aus meiner Kindheit stammt. Eine M\u00f6rdergrube kann in jedem Herzen sein.<\/p>\n<p>(Gabriele Mathes)<\/p>\n<p>In Gef\u00fchl Dobermann verfolgt Gabriele Mathes einen sehr eigenwilligen Weg des Filmemachens: in ihren Dreh war die Familie eingebunden, und erf\u00e4hrt Szene f\u00fcr Szene von der Geschichte. Dass die eigene Mutter nicht unbedingt vor der Kamera einen Pflegefall mimt, der niedergeknebelt wird, ist ein Dialog f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>(Maria Motter, FM4)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Konzept &amp; realisation: Gabriele Mathes<\/p>\n<p>Kamera: Hermann Lewetz, Hanna Huber<\/p>\n<p>Schnitt: Hermann Lewetz<\/p>\n<p>Ton: Lisa Weber, David Lewetz<\/p>\n<p>Musik: Claudia Martini, Klaus Kobald<\/p>\n<p>Sounddesign: Gabriele Mathes<\/p>\n<p>Darsteller\/innen: Walter Mathes, Brigitte Sch\u00f6llenberger, Maria Saturn, Josef Wimmer u. a.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Urauff\u00fchrung: Diagonale 2015<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vertrieb: <a href=\"http:\/\/www.sixpackfilm.com\/\">Sixpackfilm<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regie: Gabriele Mathes, AT 2015, DCP, Farbe, 16 min &nbsp; &nbsp; Eine Drehpause: Protagonist\/innen f\u00fchren Smalltalk, es spielen Kinder, ein Mops schnauft. 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